Marienheide, 04.November 2011

 

Heute, an diesem schweren Tag, hier sein zu müssen bedeutet für uns alle, Abschied zu nehmen - Abschied von einem Menschen, der etwas ganz Besonderes war, und zwar für jeden Einzelnen von uns auf seine eigene Art und Weise. Was würde Hetty wohl jetzt zu uns sagen, wenn er uns so sähe? Seine Liebsten und seine Freunde in Trauer vereint, mit Tränen in den Augen?

Steht nicht an meinem Grab und weint,

ich bin nicht hier, ich schlafe nicht.

Ich bin die tausend Winde, die über die Erde wehn.

Ich bin das helle Glitzern des Wassers, ich bin das sonnengereifte Korn und der sanfte Regen des Herbstes. Wenn ihr in die Höhe schaut, bin ich die aufwärts strebende Macht der am Himmel kreisenden Vögel in der Sonne. Des Nachts bin ich das Funkeln der Sterne. Steht nicht an meinem Grab und weint, ich bin nicht hier. Ich bin mit euch vereint.


Hetty wird immer mit uns vereint bleiben. Wir bedürfen keiner Reden auf ihn, weil sich jeder von uns an ihn erinnert - weil er in unseren Herzen lebt.

Dennoch möchte ich, im Namen der Starbiker Cologne, einige letzte Worte an diesen wunderbaren Menschen richten und ihm so unsere letzte Ehre erweisen.
 Worte können die Außergewöhnlichkeit dieses Menschen nur unzureichend beschreiben. 

 

Einer seiner größten Leidenschaften war das Motorrad fahren. Dies bedeutete für Hetty frei zu sein, Freude daran zu haben, den Wind in seinem Gesicht und gleichzeitig die unbändige Kraft des Motors zu spüren. In ihm lebte der Rocker, der es liebte in der Gemeinschaft gleiche Interessen auszuleben und das Leben einfach in all seinen Zügen und mit Freunden zu genießen. Diese Leidenschaft führte Hetty Ende 2006 zu den Starbiker Cologne. Am 21. Januar 2007 besuchten er und seine Kerstin zum ersten mal den Stammtisch der Truppe.

Nun muss man sagen, dass es nicht jedermann leicht fallen würde, sich in so einer eingeschworenen Gemeinschaft einzufinden. Nicht so für Hetty – er fand den Weg zu den Menschen auf seine ihm eigene Art und Weise.

Anfängliche Bedenken oder sogar Vorurteile Einzelner gegenüber seiner körperlichen Einschränkung konnte Hetty aufgrund seiner außergewöhnlichen Art, mit seinen Mitmenschen umzugehen, kurzerhand aus dem Weg räumen.

Einige haben sich mit Sicherheit gefragt, wie Hetty mit seinem Handicap umgeht, und wie er wohl  ein Motorrad fahren kann. Doch er hat allen Zweiflern gezeigt, was in ihm steckte, und er konnte so manchem Mitfahrer eindrucksvoll beweisen, dass man sich zu 100% auf ihn verlassen und ihm blind vertrauen konnte. Auch deswegen ist es ihm schnell gelungen, seinen festen Platz in der Gruppe der Starbiker zu finden. Trotz der doch großen Entfernung vom Bergischen Land ins Rheinland, versuchte er, so oft wie möglich, an den Stammtischen teilzunehmen, Touren mitzufahren und gleichzeitig seine oberbergische Heimat in die Kölner Region „einzugemeinden“.

Das „Schöne Oberbergische“ wurde zu einem Synonym, dass er nur zu gerne bei allen möglichen Gelegenheiten mit Wort und Witz hervorgehoben hat.

Aber nicht nur das – für uns alle stellte er unvergessene Touren durch das Oberbergische Land zusammen und führte sie als Roadcaptain an. Zum Glück kannte er sich dort aus und brauchte keine technischen Hilfsmittel, denn das Hetty im Umgang mit seinem Navi nicht immer an dem richtigen Ort landete, hat er bei einer ISP-Ausfahrt eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er kaffeetrinkenderweise auf einem völlig anderen Parkplatz stand, als eigentlich verabredet war.

Ihm auf dem Motorrad zu folgen bedeutete in erster Linie Spaß und Genuss am Fahren, vermittelte aber auch das Gefühl der Sicherheit und machte es so manchen von uns leichter, die kurvenreichen Strecken zu bewältigen. Sein Einfühlungsvermögen machte es möglich, Schwächen und Stärken anderer zu berücksichtigen und gab so manch einem das verloren Vertrauen in das Motorrad fahren wieder zurück.

Sein Engagement erstreckte sich gleichermaßen über alle Bereiche des Starbiker-Stammtisches. Ob im Forum mit guten Ratschlägen zu Problemen jeglicher Art, mit Beiträgen, die einen schmunzeln ließen oder bei der Vorbereitung und Durchführung von Partys – Hetty brachte sich und seine Ideen immer ein.

In geselliger Runde war er stets ein Garant für gute Laune. Seine Späße und Geschichten sorgten nicht selten für Bauchmuskelkater am darauffolgenden Tag.

Unvergessen bleibt wohl allen sein außerordentlich spontaner und trockenen Humor.

Auch sein Sportgeist blieb uns nicht verborgen. Beim Drachenbootrennen waren seine starken Arme unverzichtbar für das STC-Team.

Er war einfach ein Teamplayer, der die Geselligkeit liebte und für den echte Kameradschaft etwas zählte. Seine unvergessliche und unverwechselbare Art, das Leben anzupacken, hat ihm viele Tore geöffnet. Es fiel ihm so leicht, andere Menschen kennenzulernen, auf sie zuzugehen und sie teilhaben zu lassen an seinem Wesen. So hat er die Menschen auf eine ganz besondere Weise verbunden, so wie er es auch mit uns gemacht hat. Wenn wir an Hetty denken, erinnern wir uns an einen quirligen Genossen, einen lebensbejahenden Menschen, einen Freund, der uns durch seine positive Ausstrahlung beeindruckt hat wie kein Zweiter. Sein Lachen, sein Humor, dieses besondere Charisma das Ihn umgab, wird uns für immer in Erinnerung bleiben.

Zum Abschluss meiner Worte möchte ich ein kleines Gedicht über „die Freundschaft“ vortragen, denn ich glaube, dass in diesen Zeilen all das niedergeschrieben steht, was Hetty uns als Mensch und Freund vorgelebt hat.

 

„Vielleicht ist das Besondere

an einer Freundschaft

das Ohr.

 

Ein Ohr, vor dem ich

Keine Angst habe,

nicht aussortieren muss:

Was darf ich sagen?

Was keinesfalls?

 

Weil es nicht gegen mich hört,

sondern auf meiner Seite

vor-urteils-frei

ver-urteils-frei.

 

Ein Ohr, das auch

das wahrnimmt,

was zwischen den Worten

schwingt,

 

weil das Herz mithört.    

 

Hetty, du wirst immer in unseren Herzen sein und uns auf all unseren Touren begleiten.

 

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